Lucian-Rezension

lucian

Vom Arena-Verlag-Lucian

von Isabel Abedi

Lucian ist eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe es mindestens schon drei Mal gelesen und die Damen in der Bücherei werden bestimmt bald nicht mehr fragen, ob ich es wirklich noch einmal ausleihen möchte. Das Buch ist nicht mehr das jüngste, die erste Auflage erschien schon in 2009, aber es ist ziemlich zeitlos. Ich bin durch Zufall darauf gestoßen und habe es wegen des Covers und dem Klappentext mitgenommen. Da sieht man mal wieder, wie einfach wir zu beeinflussen sind. Aber es stimmt doch, bis zu einem gewissen Grad, dass man ein Buch nach seinem Cover bewerten kann (nicht dass ich nicht auch schon enttäuscht worden wäre…).

Als ich Lucian das erste Mal gelesen habe, war ich begeistert – bin ich heute noch – aber es war vor allem die ungewöhnliche Geschichte und die Art, wie die Fantasy-Elemente eingebaut wurden. Es war anders und das hat mich gefreut, weil es zu der Zeit fast nur Drachen- und Vampir-Romane gab, die sich alle ein bisschen ähnelten.

Rebecca lebt ein Teenager-Leben, wie man es sich träumt. Sie hat ihre eigenen Meinungen, ist aber reflektiert und trifft keine voreiligen Schlüsse. Trotzdem ist sie spontan und ein kleines bisschen verrückt, gerade so viel, dass es sie sehr sympathisch macht. Sie hat ihre erste Beziehung beendet, oder ist die meiste Zeit der Meinung, dass sie sie beendet hat, aber wie das so oft ist, ist das nicht so richtig eindeutig. Sie lebt mit ihrer Mutter und deren Freundin harmonisch zusammen, hat eine beste Freundin und das kleine bisschen Beziehnugsdrama, weil ihr Ex-Freund sie immer noch liebt. Ihr Vater lebt mit seiner Gefährtin in Amerika – normalerweise ab vom Schuss für regelmäßigen Austausch – aber auch das bekommen irgendwie hin. In all dieser Normalität hat Rebecca eines Abends das Gefühl, als würde etwas in ihr zerreißen und es ist ziemlich schnell vorbei mit der Idylle.

Das Schöne ist, dass die Widrigkeiten nicht von dort kommen, wo man ihren Ursprung vermuten würde. Der geheimnisvolle Fremde ist tatsächlich ein geheimnisvoller Fremde – im wahrsten Sinne des Wortes – und wird zu einem besonders interessanten Teil des Romans. Er kann nicht gleich zu Beginn in eine Love-interest-Schublade gesteckt werden und das ist, neben der allgemeinen Unvorhersehbarkeit der Geschichte, mit das Beste an diesem Buch.

Es hat ein-zwei Stellen, durch die man sich ein bisschen durchkämpft, weil man die ruhigeren Passagen gerne überspringen möchte, es ist jedoch zu keinem Zeitpunkt langweilig oder vorhersehbar. Und wenn es doch einmal so sein sollte, dann nur in sehr kleinen Bereichen, die sich kaum auf den Gesamteindruck auswirken. Rebeccas Universum ist klein und kann sehr schnell überblickt werden. Dafür bekommt alles, was in ihm stattfindet, einen besonderen Wert. Manchmal wird dort zwar ein bisschen relativiert, aber es ist, nach dem zweiten Lesen, nicht mehr hundertprozentig realistisch. Trotz, oder gerade wegen der ungewöhnlichen Ereignisse in ihrem Leben, bleibt es so idealisiert, wie es zu Beginn bereits ist. Das Abenteuer gehört dazu und man verbringt das ganze Buch in dem Glauben, dass es erfolgreich überstanden wird (no Spoilers).

Ich empfehle es wärmstens! Und den Ausdruck benutze ich normalerweise nicht. Aber es ist ein Buch, das Erwartungen aufkommen lässt und sie nur wenige Augenblicke später zerschlägt, weil die Dinge nicht so passieren und die Grundidee eine andere ist, als bei den Büchern, die man sonst gerne gelesen hat. Man darf sich in Träumereien verlieren, die Rebecca als Hauptcharakter in ein besonderes Licht rücken, ohne all die üblichen Klischees zu bedienen. Und es ist von vornherein genug normales Leben beschrieben, um das Geschehen und seine Auswirkungen als Leser nachvollziehen zu können.

Das Buch habe ich aus der Bücherei ausgeliehen. Sie haben es dort als Hardcover-Ausgabe, die langsam auseinanderfällt, sich in den vielen Leserhänden aber sehr gut gehalten hat. Lediglich der Buchrücken war schon immer provisorisch und zur Verstärkung geklebt. Für die Tasche ist es fast ein bisschen groß und dick, kommt darauf an, was man sonst noch mitnehemen möchte.

Material: 9 aus 10

Gestaltung: 8 aus 10

Preis-Leistung: 10 aus 10

Inhalt: 8,9 aus 10

Gesamtnote: 9 aus 10

Titel: Lucian

Autor: Isabel Abedi

Typ: Hardcover

Seiten: 480

Verlag: Arena, 2009

Vom Verlag empfohlenes Alter: 12 und älter

Sprache: Deutsch

Preis: Hardcover – 18,99€ / Taschenbuch – 9,99€ / umsonst in der Bücherei 🙂

ISBN-10: 3401062034

ISBN-13: 978-3401062037


Witches walk devious paths.

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Welche Genres ich rezensiere

Ich rezensiere fast alles, aber ich habe doch ein paar Präferenzen. Ich werde aber auch sehr geren überrascht und bin nicht festgefahren. Und im Zweifelsfall einfach anfragen!

Abgesehen davon lese ich auf Deutsch, Englisch und Französisch.

Ich habe viel mit Kindern zu tun und lektoriere selber Kinderbücher. Deshalb – und vor allem, weil ich einen Anspruch an sinnvolle Literatur für unsere Erwachsenen der Zukunft habe – rezensiere ich Kinderbücher. Neben sinnvoll, soll diese Lietartur natürlich auch unterhalten, ein bisschen Anspruch haben und schön aussehen. Das sind auch meine Hauptkriterien, wenn es um Kinderbüchern geht. Der Lernfaktor ist ein Bonus.

Sci Fi! Ich liebe Science Fiction, auch die etwas gewagte und sehr spezifische. Ich arbeite mich gerne in Themen ein, wenn es um die biologischen Möglichkeiten, physikalischen Wahrscheinlichkeiten und wissenschaftlichen Phänomene besonderer Art geht. Plansprachen sind mein absolutes Wunschkind und quantenphysische Spekulationen versetzen mich in Thriller Stimmung. Aber man sei gewarnt, zu unerklärbar abwegig darf es nicht werden. Eine Prise Nachvollziehbarkeit, Erfindungsreichtum und fantastische Überzeugungskraft sind die besten Zutaten – wenn ich sie in Maßen genießen darf.

Zu meinen Guilty-Pleasures gehören Biografien. Da darf es auch mal ein Politiker sein. Am aller liebsten lese ich über die Abenteuer des ganz alltäglichen Lebens, oder wie der Alltag ganz unerwartete davongerannt ist und man sich nun wieder auf die Suche nach ihm machen muss. Es kann aber auch schon aufregend genug sein, wenn einfach noch einmal etwas neues angefangen wird und man das Lernen freiwillig und manchmal unfreiwillig wieder zu einem Teil seines Lebens macht.

Von meiner Mama kommt eine kleine Leidenschaft für historische Romane. Ob sie eine fiktionale Geschichte in der Realität meiner Vorfahren ist, oder einen biografischen Zug haben ist mir herzlich egal, nur her damit.

Man soll ja immer vorsichtig sein, mit den Dingen die man sich so wünscht, aber bei manchen Büchern kann man Ausnahmen machen. Dazu gehört High Fantasy. Das ist das Genre, das ich von ganzem Herzen liebe und lebe. Ein großes Kriterium ist dabei immer die Komplexität des Erzählten. Ganz neue Welten zu erschaffen braucht einiges an Platz. Das besondere an diesem Genre ist der Balanceakt zwischen einem zu Viel und zu Wenig an Hintergrundinformation. Wenn auf diesem Grad erfolgreich gelaufen wird und die Erklärungen gut in die Geschichte eingeflochten wurden, dann habe ich schnell nicht mehr viel zu meckern.

Da meine Mama schon dran war, aber nicht die einzige, die in unserem Haus großzügig mit Literatur umgegangen ist, darf mein Papa an die Reihe. Ich habe schon immer sehr gerne Comics und graphic novels (auch ohne Text!) gelesen und angeschaut. Der Aufwand und das besondere Flair von gedruckten Bildern, die alle nacheinander und miteinander Geschichten erzählen, sind ein unvergleichliches, aber immer schon schwieriges Genre.

Aber von meinem Papa kommen auch die Klassiker, die ich heute vor allem in Neuauflagen meinen Freunden unter die Nase halte. Erstens, weil sie meistens wunderschön gebunden sind und zweitens die Zeitlosigkeit der Geschichten und Erzählungen sie erst zu Klassiekern gemacht hat. Man wird Kafka auch in fünfzig Jahren noch lesen und die Aktualität seiner Aufzeichnungen diskutieren, da bin ich mir sicher.

Nach hoher- nun auch die ganz normale Fantasy. Hier wird Erfindungsreichtum groß geschrieben, denn es muss oft mit bereits etablierten Gestalten und Umständen innovativ umgegangen werden oder man muss sich seine Wesen und Welten selbst erfinden.

Aus Erfahrungen aus Verlagen weiß ich, dass Queere Literatur oft sehr sehr gute Literatur ist, aber nur sehr wenig Repräsentation erfährt und ich bin sehr gerne bereit das zu ändern und  zu helfen, ihnen ein größeres Publikum zukommen zu lassen.

Und es dürfen auf keinen Fall Romane, Jugendbücher, Gedichte und andere, besondere kleine Sachen und Genres vergessen werden.

Doch wie ganz zu Beginn schon gesagt, ich lese fast alles und freue mich auch immer, wenn ich etwas neues entdecke.


Witches walk devious paths.