Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

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Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

Das kleine Buch von Bastei-Lübbe liest sich in zwei Stunden. Einerseits weil es mit 422 Seiten nicht sehr lang ist, andererseits, weil es einen sehr angenehmen und ununterbrochen fließenden Schreibstil hat. Man liest es mal eben so. Das ist fast schon schade, weil beim fliegenden Lesen – sobald man einmal in Schwung gekommen ist schafft man es kaum mehr langsamer zu werden – vieles nicht mitgenommen wird. Aber es ist alleine schon ein schwieriges Vorhaben sämtliche Referenzen und Bilder, die aufgemacht werden, angemessen zu honorieren, kurz zu verweilen und ihrem Potential gerecht zu werden, weil es eine sehr hohe Dichte gibt. Es wird nicht langweilig, aber gelegentlich etwas anstrengend, wenn auf einer Seite kurz nacheinander mehrere Momente angesprochen und angestupst, aber nicht weiter ausgeführt werden. Es könnte von Zeit zu Zeit frustrieren. Wenn man darüber hinweg lesen kann und der künstlerische Anspruch an sich selbst nicht zu hoch ist, hat man es aber mit einer unterhaltsamen Erzählung zu tun. Der trockene, sarkastische und ironische Humor, der die unverhohlene Lüge nicht erklärt und dementsprechend den Charakteren – denen die lügen, und denen die angelogen werden und reagieren – eine besondere Art der Charakterisierung zukommen lässt. Ein nachdenkliches, humoristisches Buch, das das Heimweh nach Routine und das sentimentale Schwelgen in alten und neuen Träumen die Nasen aneinander reiben lässt. Kurz: Die moderne Individualkultur gekonnt pauschalisiert. Die letzten zwei Kapitel sind wahrscheinlich dem Rundfunkhintergrund des Autors geschuldet; erneut Kultur – eine Abschlusskultur. Es bleibt nicht viel zum Nachdenken, nachdem alle Fäden ordentlich verknotet wurden.

Altes Handwerk, zum lesen, anfassen, reüssieren und – nun ja – kritisieren. Der Schlüssel ist Kommunikation, wie die Erzählung bis auf die letzten zwei Kapitel sehr deutlich hervorhebt. Umso seltsamer, dass ganz am Ende wenig Raum zum Reden bleibt.


Witches walk devious paths!

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Our Chemical Hearts

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Jugenbuch auf Englisch, damn fine

von Krystal Sutherland

UGH! So ein gutes Buch!

Our Chemical Hearts  ist ein fiktionales Jugendbuch, das wirklich Spaß gemacht hat. Und das, vorweg, ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk sein könnte (auch für Nicht-so-viel-Leser).

Henry Page ist – klassisch in diesem Genre – nicht auf dem Gipfel auf der High School-Popularitäts-Skala zu Hause; und die Umschreibung ist hier nötig, einfach so.Er ist nerdig, geekig, rundum gut erzogen und hat mit dem zerstörerischen Ruf seiner Schwester zu kämpfen, die früher jugendliche Straftäterin und mittlerweile Mutter und hoch studiert ist. Seine besten Freunde wohnen fast schon bei ihm und er bei ihnen, und eigentlich scheint in ihrem letzten Schuljahr alles ganz gut zu laufen. Doch dann taucht der Erzfeind aller nerdigen, geekigen, guten Noten-Schreiber auf: Ein Mädchen. Henrys ganz persönliches Kryptonit heißt Grace Town und ist angebracht seltsam. Sie sieht heruntergekommen aus, läuft mit Stock und hat scheinbar keine Vergangenheit, die sie mit ihrem neuen Umfeld teilen möchte. Sie werden zusammen als neue Chefredakteure ihrer Schulzeitung bestimmt, zusammen in ein kleines Zimmer gezwängt und sollten sich während dieser Zeit eigentlich nicht unbedingt näher kommen (weil, hochreflektierte Jugendliche und was sind Hormone nochmal). Dass das nicht funktioniert, ist zu erahnen.

Wenn das Buch nicht so hochaktuell wäre (übrigens, am besten noch vor der Präsidentschaftswahl in den USA lesen) und sich selbst, das Internet und Jugendbücher mit hochreflektierten Jugendlichen nicht dauernd selbst auf die Schippe nehmen würde, dann hätte das Ganze auch furchtbar schief gehen können. Ist es aber nicht. Respekt und Fleißsternchen, wohlverdient. Es ist ein Jugendbuch und es erfüllt alle Wünsche, die man für es haben kann. Wer John Green ( ja, ich weiß, schon wieder) gerne gelesen hat, mit Catcher in the Rye von Salinger und Eleanor and Park von Rainbow Rowell etwas anfangen kann, der sollte dieses Buch – alleine schon wegen der Pop-culture-Referenzen – unbedingt lesen, sich zu Weihnachten wünschen und eventuell auf eine gute Übersetzung hoffen.

Der Hauptcharakter nimmt sich als Jugendlicher selbst nicht so ernst, aber die Story ist ein herrlicher Egoist, was die Tragweite jeder einzelnen, winzigen Handlung angeht. Und als einigermaßen geübter Jugendromanleser kommt man voll auf seine Kosten. Man wird es aber auch genießen können, wenn man sonst nicht so viel aus dem Genre liest oder nur wenig Ahnung von der Online-Kultur (e.g. Katzenvideos, Memes und den dunklen Seiten von tumblr) hat.

Was nicht gefallen könnte: Die Sprache ist erwachsen und sehr schlagfertig. Passend für einen Jugendroman, der von Jugendlichen gelesen wird. Es wirkt vielleicht nicht zwingend realistisch, aber erfüllt doch ein wenig die Hoffnungen und Träume von Unterhaltungen, die nicht nur aus grammatischen Desastern und schlechten Beleidigungen bestehen. Die Werte des Hauptcharakters, die zu Anfang deutlich hervorgehoben werden, gehen auf dem Weg durch die Story erstaunlich schnell verloren; das hat mich vor allem gestört, weil die demonstrierte Reflektiertheit und die Handlung deshalb nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind.

Ein paar orthographische Fehler, fehlende Wörter und einsame Anführungszeichen sind in der Verkaufsauflage hoffentlich ausgemerzt; zumindest hoffe ich, dass ich nur ein Leseexemplar habe, denn das wäre schon ein bisschen bitter.

Übrigens haben die Fische auf dem Cover tatsächlich eine Bedeutung; wie metaphorisch diese ist, muss man selbst nachlesen. Es ist ein Jugendbuch dieser Zeit und wird ein hoffentlich ein Publikum erreichen, dass es zu schätzen weiß.

Titel: Our Chemical Hearts

Autor: Krystal Sutherland

Verlag: Hot Key Books (Okt. 2016)

Lesealter (vom Verlag empfohlen): 12-16 (älter ist fast besser)

Genre: fiktionales Jugendbuch

Seitenzahl: 313

Preis: 8,99€ (Taschenbuch)

ISBN-10: 1471405834

ISBN-13: 978-1471405839


 Witches walk devious paths.

Eine Reihe voller Schätze

Jetzt war aber wirklich lange genug Pause.

Die Buchmesse ist vorbei und die Erschöpfung hat mich schon währenddessen eingeholt. Trotzdem, nach einem Tag Pause, ging es dann weiter und durchs Wochenende. Und da war was los! Eindrücke kommen auch noch in einem Picture-Post, aber zuerst einmal natürlich die Errungenschaften meiner arbeitsamen Woche.

Neben Büchern gab es allerlei Goodies, die man mitnehmen durfte, die sich aber im Rahmen halten, wenn man eigentlich gar nicht nach ihnen sucht. Ohne schafft man es aber trotzdem nicht aus den Hallen meiner Träume.

Poster, Buttons – die ich auch alle schon an meine Jeansjacke gepinnt habe – Schlüsselanhänger, einen Tassenuntersetzer (oder zumindest glaube ich, dass das was ich da habe einer ist), Kalender, Süßes (wovon ich nicht viel mit nach Hause gebracht habe, weil es wesentlicher Teil meiner Verpflegung war) und ein Haufen anderer Sachen. Natürlich auch der Semestervorrat an Kullis und Notizblöcken, schließlich war man ja nicht nur zum Spaß da. Das Schönste am ganzen Wochenende war aber, andere Blogger kennen zu lernen! Unter anderem waren das

Jessika von Jessies Bücherkiste,

Julia von Miss Foxy Reads,

Sandra von Piglet and her Books,

Sandy von Black Tea Books, die meinen letzten Post auch schon gefunden hat 🙂

und natürlich Dani von einlesehorn, mit der ich erfolgreich durch Halle 4.0 und 4.1 geschlendert bin und Einhorn-Vibes genossen habe! Und die außerdem einen schönen Blog hat und eine Verlosung einiger Goodies veranstaltet. Lohnt sich also mal vorbeizuschauen.

Das einzige Buch, das ich unbedingt haben wollte aber nicht bekommen habe, ist The Christmassaurus von Tom Fletcher. Leider hatte Random House UK am Samstag schon zusammengepackt – das Buch war sogar dagewesen! Nur verkaufen wollten sie es nicht. Aber ich hoffe, dass ich da noch irgendwie dran komme. (English-Book-Shop Konstanz ist hier noch meine letzte analoge Hoffnung).

alles-buttonjackeSo sah es in meinem Zimmer nach einigem Aufräumen und Sortieren aus – man kann den Boden wieder sehen. Aber es wird noch einiges hin und her geschoben und dann auch verschenkt, also wird es noch ein bisschen dauern, bis ich wieder in aller Ruhe auf meinem Teppich liegen, an die Decke gucken und über mein Leben nachdenken kann.

Und hier kommen die Bücher! 18 insgesamt und die meisten auf Englisch :D.

the-spy-of-venice-2Das erste englischsprachige ist The Spy of Venice von Benet Brandreth. Ein Shakespeare Roman mit Twist aus dem Verlag twenty7.gluck-ist-wenn-man-trotzdem-liebtGlück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann. Ein Spiegel-Bestseller, der bei Bastei Lübbe erschienen ist.an-abundance-of-katherinesAn Abundance of Katherines von John Green! Meine Sammlung an John Green Büchern ist, bis auf Let it Snow, also fast komplettiert! Es wurde von Dutton-Penguin veröffentlicht und ich bin froh, dass ich eins mit schönem Hardover bekommen habe (passt ins Regal).the-book-of-storms-2The Book of Storms von Ruth Hatfield, ebenfalls auf Englisch und ebenfalls von Random House – Hot Key Books – veröffentlicht.the-lonely-life-of-biddy-weirNoch ein weiteres Buch von twenty7, geschrieben von Lesley Allen ist The Lonely Life of Biddy Weir. Ein Buch über nicht ganz so normale Menschen und eines auf das ich mich wirklich freue.die-vermisstenVom deutschen Penguin gibt es den Psychothriller Die Vermissten, das von Caroline Eriksson geschrieben wurde. classic-nursery-talesVielleicht etwas unerwartet hier zwischen drin, ein englisches Gutenachtgeschichtenbuch. Aber sowohl Cover, als auch die Bilder drinnen und die Sprache, die verwendet wird, sind wunderschön. Es ist auch eine Random-House Veröffentlichung.our-chemical-heartsAußerdem – und auf Empfehlung – Our Chemical Hearts von Krystal Sutherland und von Hot Key Books, mit der Warnung vor strong language auf der Rückseite :D.the-thornthwaite-betrayalVon Picadilly vielleicht etwas für jüngere Leser (Also mich! Nein Scherz, aber ja doch 🙂 ) ist The Thornthwaite Betrayal von Gareth P. Jones.cell-7Auch eher aus der Thriller-Richtung ist Cell7 von Kerry Drewery , ebenfalls von Hot Key Books.die-welt-war-besser-ohne-dichUnd zwischendrin wieder etwas Deutsches: Ein Jugendbuch von Ravensburger, Die Welt wäre besser ohne dich von Sarah Darer Littman.schlafose-nachtDas nächste ist Schlaflose Nacht aus dem Hanser-Verlag, geschrieben von Margriet de Moor, das mit 126 Seiten das dünnste im Stapel ist.the-girlsEbenfalls von Hanser ist Emma Clines The Girls, das thematisch ganz ganz anders klingt, als der Rest der Bücher. Ich bin ehrlich neugierig, weil ich schon viel darüber gelesen habe, vor allem aus der amerikanischen Presse. Aber die Meinungen scheiden sich ein wenig, und jetzt kann ich es endlich selbst lesen.es-ist-nicht-fairEin weiterer Roman von Hanser ist Es. Ist. Nicht. Fair. von Sarah Benwell, dessen Titel schon Herzzereißen ankündigt; also Taschentücher raus.das-apfelblutenfestVon Pendo (Piper) liegt außerdem das Buch mit dem schönsten Cover auf meinem Tisch: Das Apfelblütenfest von Carsten Sebastian Henn.paper-aeroplanesDas Jugendbuch paper aeroplanes von Dawn O’Porter ist ebenfalls von Hot Key Books und ist ein Buch über Freundschaft in einem wunderbaren und beschissenen Alter, während alle auf der Suche nach sich selbst sind und auf dem Weg dorthin immer wieder über ihre eigenen Leichen stolpern.lebkuchenweiblein-2Wieder unerwartet mittendrin aber ein absolut herrliches Kinderbuch ist: Alle warten auf das Lebkuchenweiblein von Heidi Knobloch aus dem Silberburg-Verlag. Super für etwas fortgeschrittene Erstleser und fürs Vorlesen in der Vorweihnachtszeit.a-library-of-lemonsUnd das allerletzte Buch ist das zweite von Picadilly: A Library of Lemons von Jo Cotterill, das das mit Abstand leuchtendste Cover hat ( so gelb!)

Ich bin gespannt, was mich hier erwartet aber alleine die Menge an neuen Büchern ist ein Traum. Und irgendetwas davon wird schon gut sein – hoffe ich zumindest. Aber darüber halte ich euch auf dem laufenden, mit Comprehensive Reviews und gelegentlicher Auslassungen, die sich hoffentlich in Grenzen halten werden.

Best wishes!


Witches walk devious paths.

Die Buchmesse hat begonnen.

Nach einer langen Fahrt von Konstanz nach Tübingen und dann, in einem süßen, alten Mazda, von Tübingen nach Frankfurt kamen wir Dienstag Mittag auf der Buchmesse an. Aufbau, Toiletten finden und sich ein bisschen umgucken, bevor das Chaos losgehen würde.

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Ironische Toiletten…

Und es ging los. Pünktlich um 9 Uhr morgens strömten Fluten von Fachbesuchern aus der S-Bahn ins Torhaus, durch die Taschenkontrolle und dann, über bunte Teppiche, in die Hallen der Aussteller.

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verhüllte Teppiche am Dienstag

Und bunte Teppiche am Mittwoch

Ausgestattet mit türkisenem Band in den Haaren und am Arm, mit Äpfeln, Birnen und Müsliriegel und diversen Ausweisen schwappte man durch die immer voller werdenden Gänge. Ein bisschen viel auf einmal, vor allem, wenn man zum ersten Mal auf der Buchmesse ist. Es ist ein Paradies, keine Frage, es ist nur sehr viel davon und ich wusste überhaupt nicht wo ich anfangen sollte. Ich glaube aber, dass ich es ganz gut geschafft habe. Ich habe zwei Hände voll Buttons für meine Jeansjacke,

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Buttons!

Unmengen an Postkarten und Lesezeichen und zumindest einmal eine Idee von den verschiedenen Bereichen, die in der Verlagswelt abgedeckt werden müssen. Am aufregendsten scheint es bei den Rechten und Lizenzen zuzugehen. An Tischen voller kleiner Snacks und zwischen Kaffeetassen, direkt an den Gängen oder verborgen hinter Vorhängen werden Geschäfte ausgehandelt, Rechte eingekauft und das Verlagsprogramm mitgestaltet.

Die großen Verlage mit riesigen Ständen sind einfach zu finden und bewerben ihre neusten Bücher, Hörbücher und alles andere, was sie so verkaufen. Aber zwischendrin, manchmal sehr versteckt und in Ständen, die kaum zwei Meter breit sind, findet man Papeterien und Kleinode an Büchern, die das Verlagsprogramm der letzten 30 Jahre wiederspiegeln. Sehr unterschiedlich aber alles sehenswert.

Vier weitere Tage stehen uns noch bevor, Menschen treffen und ein- zwei Programmpunkte abhaken und dann wird sie auch schon wieder vorbei sein. Wahrscheinlich viel zu früh, und das obwohl meine Füße heute schon wehtun.


Witches walk devious paths.

Teil 3 von An Abundance of Green-Books

will-und-will“Will Grayson, Will Grayson” – ein wichtiges Buch

Willkommen bei Teil 3 von An Abundance of Green-Books – der Post-Reihe über John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen habe!

Und damit zu “Will Grayson, Will Grayson”, einem Buch das wichtig und anders ist. John Green und David Levithan haben dieses Buch gemeinsam geschrieben und ein Musical in die Story hineingeschrieben, das ich wirklich gerne selbst einmal sehen möchte. Die Charaktere sind komplex und so grundsätzlich menschlich und dadurch nachvollziehbar, dass es an manchen Stellen fast unangenehm zu lesen ist. Es geht um Freundschaft, Cybermobbing, Lügen, Freunde verlieren, Freunde finden und darum, sich auch alleine hinaus in die Welt zu wagen.Will Grayson ist 17 und in Jane verliebt. Will Grayson ist 17 und schwul. Es handelt sich nicht um ein und dieselbe Person – was ein spannendes Buch für sich selbst wäre – sondern um Namensvettern. Wie sich herausstellt, gibt es den Namen “Will Grayson” erstaunlich oft. Und wie das so ist, mit Namensvettern, spielt die Sympathie, die man für jemanden hat, der denselben Namen trägt, eine große Rolle. Beide Wills könne mit ihrer Liebe nichtt richtig umgehen: Der eine kann sich nicht eingestehen, dass er für seine gute Freundin mehr empfindet und der andere weiß nicht, wie er mit der Liebe, die er als anders empfindet, umgehen soll. Und dann begegnen sie sich und es scheint ein böser Scherz zu sein, der angesichts der seltsamen Situation, in der sie sich treffen, sehr bitter schmeckt. Als sich dann herausstellt, dass ihr Treffen ein Zufall war, hat der erste Eindruck schon alles zynisch eingefärbt.

Ich glaube “Will und Will”, wie es auf Deutsch heißt, war das erste Buch, das ich gelesen habe, bei dem ich die seltene, aber bemühte Repräsentation von queeren Charakteren in der Jugendliteratur bewusst wahrgenommen habe. Es war eine der ersten Debatten über die Repräsentation von gesellschaftlichen Minderheiten, die ich zu der Zeit mitbekam und bin dadurch über das Buch gestolpert.

Ich wusste lange Zeit nicht, wie ich die Geschichte finde. Es hat einige narrative Schwächen und viele gefühlte Unstimmigkeiten können bestimmt darauf zurück geführt werden, dass zwei Autoren daran geschrieben haben. Aber es ist ein thematisch wichtiges Buch, vor allem, wenn es um Freundschaft und Vertrauen geht. Es ist einfach sich online zu anonymisieren und einem Freund etwas vorzuspielen. Das heißt aber nicht, dass das eine gute Idee ist. Wenn man dann noch versucht etwas über den anderen herauszufinden, kann viel zu Bruch gehen und sich ein Verhältnis für immer ändern. Freundschaften sind grundsolide, aber fragil, wenn sie an der Substanz angegriffen werden.

Was ich aus dem Buch mitgenommen habe, ist ein Verständnis für Neugier, und Grenzen, die trotzdem nicht überschritten werden dürfen, dass alle Personen erst einmal Menschen sind und man sich manchmal von Gefühlen zu dummen Dingen verleiten lässt. Nichts davon entschuldigt sich schnell und für immer, aber die Geschichte zeigt, dass es oft am schwersten ist, sich überhaupt zu entschuldigen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam und mitreißend, hat seine Hoch- und Tiefpunkte und regt zum Nachdenken an. Es ist manchmal etwas holprig, aber das gibt sich meistens sehr schnell, sobald man weiter liest. Und schlussendlich gewöhnt man sich auch ein bisschen daran. Das Buch ist wichtig, weil es nicht viele dieser Art gibt, die nicht automatisch in die Kategorie Schullektüre gepackt und undankbar abgehakt werden. Dafür ist es in seiner Klischeehaftigkeit zu ungewöhnlich und unbemüht: Es will nicht belehren und es will Klischees nicht zwanghaft umgehen und das macht Spaß. Und dann ist es auch ein kleines bisschen abstrus und davon kann man nie genug haben 🙂

Dann bis zum nächsten Mal und bis zu Teil 4 von An Abundance of Green-Books, der Reihe über die John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen habe😀

Titel: Will Grayson, Will Grayson

Autoren: David Levithan, John Green

Typ: Taschenbuch

Inhalt: Jugendroman

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12-17 Jahre

Seiten: 352

Verlag: Penguin (2012)

ISBN-10: 0141346116

ISBN-13: 978-0141346113


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Teil 2 of An abundance of Green-Books

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“Let it snow” Noch nicht gelesen, empfehlenswert?

Willkommen bei Teil 2 An Abundance of Green-Books – der Post-Reihe in der ich über die Bücher von John Green schreibe! Die, die ich gelesen und die die ich noch nicht gelesen habe.

Eines seiner Bücher, das ich noch nicht gelesen habe, ist “Let it snow”. Zusammen mit Maureen Johnson und Lauren Myracle hat John Green in diesem Buch drei Kurzgeschichten zusammengestellt. Wie der Titel ahnen lässt, dreht sich alles um den Winter, Schnee, die Weihnachtsfeiertage und die besonderen Beziehungen zu Menschen, die sich zu dieser Zeit des Jahres entwickeln können und über alte Bekanntschaften, über die man manchmal ganz unverhofft stolpert.

So wie ich diese drei Autoren kenne, haben sie wahrscheinlich einen kleinen sprachlichen Lesegenuss – passend für diese magische Zeit des Jahres – aus ihren Fingern fließen lassen. Und ich bin wirklich gespannt und aufgeregt, weil ich fest vorhabe ihre Geschichten diesen Winter zu lesen. Mir gefällt die Idee, dass es sich dabei tatsächlich um drei unabhängige kleine Werke handelt, obwohl mittlerweile nur noch selten Bücher verlegt werden, die Sammlungen und keine abgeschlossenen Eine-Story Werke sind. Ganz ungerechtfertigt! Man kann sie wunderbar verschenken: Anders als bei einem Buch, das jemandem gefallen oder nicht gefallen kann, hat eine Sammlung immer noch die Option, dass man noch etwas darin findet, was dem Beschenkten Freude und Spaß macht – selbst wenn nicht alles seinem Geschmack entsprechen sollte. Und sie sind schöne Beschäftigungen für zwischen drin oder am Abend, wenn man gerne noch etwas lesen, es aber nicht unabgeschlossen stehen lassen möchte. Das Buch hat eine Altersempfehlung von 12-15 Jahren, aber das hat mich bis jetzt noch die davon abgehalten ein Buch zu lesen und zu mögen. Bin nur ich es, oder sind Kinder- und Jugendbücher sehr häufig besser und gewissenhafter lektoriert?

Das beschließt meine Überlegungen und Hoffnungen für “Let it snow”! Wer hat es gelesen und was könnt ihr dazu sagen? Hat es euch gefallen, würdet ihr es weiterempfehlen?

Dann bis zum nächsten Mal und bis zu Teil 3 von An Abundance of Green-Books, der Reihe über die John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen haben 😀

Titel: Let it snow

Autoren: Maureen Johnson, John Green, Lauren Myracle

Typ: Taschenbuch

Inhalt: Kurzgeschichten zu und über die Weihnachtsfeiertage

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre

Seiten: 368

Verlag: Speak (2008)

ISBN-10: 0142412147

ISBN-13: 978-0142412145

 


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An abundance of Green-Books

Teil 1: The Fault in our Stars / Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Sie stehen in fast jedem Zimmer und auf fast jedem Buchregal der, vorwiegend weiblichen und jugendlichen, Fangemeinde John Greens. Und kaum ein Buch wurde so sehr verehrt und diskutiert, angehimmelt und auseinandergenommen, wie The Fault in our Stars bzw. Das Schicksal ist ein mieser Verräter.

the fault in our starsMan kann es niemandem wirklich verübeln, denn die angesprochenen Themen sind nicht gerade die einfachsten und ungefährlichsten. Krebs und Tod in einem Jugendbuch verbunden mit den Abenteuern des Aufwachsens, der ersten Liebe und der Ungewissheit, ob irgendeiner es überhaupt bis zum legal-drinking-age schafft, sind schwere Steine in jeder Erzählung. John Green hätte viel falsch machen können und hat es geschafft, den Krebs nicht in der Vordergrund zu rücken. Das Problem mit dieser Meinung und Aussage ist, dass sie grundsätzlich subjektiv ist. Viele Leser waren der Meinung, dass die, oft tödlichen, Erkrankungen romantisiert wurden und Krebs verherrlichen würden. Ich persönlich kann mir nur schwer ein Buch vorstellen, dass deutlicher aufzeigt, wie limitierend, einschränkend und (pardon) beschissen eine solche akute Krankheit tatsächlich ist, ohne explizit in jedem zweiten Satz zu erwähnen, dass Krebs nicht romantisch und keine schöne Erfahrung ist. Das Buch zeigt, dass neben dem Schicksal, mit dem die Protagonisten umgehen müssen, der Rest des Lebens nicht immer ganz verloren gehen muss, aber trortzdem massiv davon beeinflusst wird. Es ist ein Taschentuch-Buch, weil wenig geschönt wird. Es ist von Zeit zu Zeit sprachlich hochgestochen, was ich in den meisten Dialogen genossen habe, weil es eine fiktionale Geschichte ist und die Fiktion der Intelligenz, die die Charaktere sprachlich darstellen, etwas ist, das zwar nicht wirklich real, aber schön vorzustellen ist. Nur an wenigen Stellen, war das Klischee ein bisschen zu bedient und nicht mehr glaubwürdig.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich zu dem Buch stehe. Ich habe starke Meinungen, durfte aber auch viel von den Diskussionen über das Buch mitbekommen. Es ist ein Thema, über das ich bis jetzt noch nicht viel gelesen habe. Es ist nicht einfach sich daran zu wagen und man hätte es vielleicht auch besser machen können. Ich vermute aber, dass es egal wäre, wie die Geschichte um Hazel und August dargestellt würde, es fände sich immer jemand, der ein Problem damit hätte und sich persönlich angegriffen fühlen würde.

Grundsätzlich finde ich es empfehlenswert und in der heutigen non-Fantasy Jugendbuch Landschaft eine Abwechslung, was die Thematik betrifft.

Wie steht ihr zu dem Buch? Habt ihr es gelesen? Was ist eure Meinung zu der Umsetzung und würdet ihr es weiterempfehlen?

Ich bin gespannt auf eure Antworten!


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In meiner Tasche: Gemeinsam Lesen

Und weils gerade so viel Spaß macht: Was ich gerade lese

Das ist eine Blogaktion von den Schlunzen von Schlunzenbücher und sie geht schon in die 179. Runde.Die ersten drei Fragen sind immer dieselben:

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese gerade Gullivers Reisen und bin auf Seite 43.
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
“In like manner, the disbelief of a divine providence renders a man uncapable of holding any public station.”
 
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass es so lustig ist! Es ist ein Klassiker und das hat bestimmt auch seinen Grund, aber es ist auf sehr vornehmem Englisch geschrieben und wirkt auf den ersten Blick sehr ernst. Sobald man sich aber ein bisschen in der Sprache zurechtfindet und sich auf den Stil einlässt, bemerkt man den unfassbar trockenen Humor. Nur zu empfehlen!
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Die vierte Frage wird jedes Mal neu, aus den Kommentaren zum Post, ausgesucht. Wenn ihr also neugierig seid, was das Leseverhalten eurer Kollegen angeht…
Die vierte Frage lautet dieses Mal:
 
4. Haben Autoren bei dir Star-Charakter?
Wenn sie besonders gut sind bzw. wirklich gut schreiben, dann vielleicht ein kleines bisschen.
Aber eher als eine Vorbildfunktion: Ich bewundere ihr Können, ihre Arbeit und Werke und ich lese sie gerne, weil mich die Qualität überzeugt, weil ich Spaß an ihren Büchern habe. Sie schreiben dann meistens auch in einem Stil, den ich mir gerne selbst aneignen würde. Da kann es passieren, dass ich mich für einen Autor besonders begeistere und ich mir ein idealisiertes Bild von ihnen mache.
Ich versuche trotzdem sie mir als komplexe Menschen mit eigenen Gefühlen, Meinungen und Hoffnungen vorzustellen und Freiräume für Eigenheiten zu lassen, über die man nichts in den Medien liest. Ich hoffe, ihnen so eines Tages begegnen zu können und dann nicht enttäuscht zu sein, weil ich sie in meinen Tagträumen zu Übermenschen und schreibenden Superhelden aufgeblasen habe.
 

Witches walk devious paths.

 

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Meine TBR-Liste diesen Monat

Dieser Monat hat schon nicht mehr all zu viele Tage, aber bis zum Ende habe ich trotzdem noch ein paar Bücher, die gelesen werden möchten. Deshalb sind sie auf meiner TBR – to be read – Liste. Und ganz oben drauf ist das Buch, das ich auch noch genauer vorstellen werde, weil es sich gerade in meiner Tasche befindet: Gulliver’s Reisen; oder besser gesagt, Gulliver’s travels von Jonathan Swift, weil ich es auf Englisch lese. Als Klassiker- Fan habe ich mich schon lange darauf gefreut, es endlich einmal aus dem Regal zu ziehen und zu lesen.

Aus derselben Klasiker-Liebe liegt auch The great Gatsby (Der große Gatsby) von F. Scott Fitzgerald auf Englisch auf meinem Stapel. Ich muss zugeben, dass ich den neuen Film mit Leonardo Di Caprio und Carry Mulligan gesehen und nicht wirklich gemocht habe. Er hätte mit Sicherheit noch schlechter sein können, aber eben auch deutlich besser. Weil das Buch in den USA und Großbritannien aber so viel Aufmerksamkeit bekommt, vor allem auch in den Schulen, wie hier zu Lande Kafka und Dürrenmatt, bin ich mehr als neugierig. Und ich bin natürlich der Hoffnung, dass sich wieder einmal bestätigt, dass das Buch besser ist als der Film.

Ebenfalls auf meiner Liste befindet sich ein Roman von Yoko Tawada. Sie hat dieses Jahr (2016) den Kleist-Preis gewonnen, der ihr noch verliehen wird. Einige ihrer Werke sind auf Deutsch und Japanisch verfasst, aber ich habe mich an ein ganz deutsches Exemplar gehalten, weil mir leider noch ein paar Japanisch-Kenntnisse fehlen. Ich lese deshalb Das nackte Auge, das eine West-Ost Geschichte aus einer anderen Perspektive darstellt. Ich möchte vor allem sehen, was ihr Schreibstil zu bieten hat und ob ihr Einfallsreichtum aus anderen Sphären schöpft, als der deutscher und englischer Autoren. Vielleicht ist das etwas anmaßend und überheblich, aber es ist ein wenig die Vorfreude, dass ich vielleicht etwas lese, das ich noch nie zuvor gelesen habe, was mich dazu bringt, diesen Roman in die Hand zu nehmen – abgesehen davon, dass sie einen sehr renommierten Preis gewonnen hat und das etwas über ihre schriftstellerische Qualität aussagen könnte.

Das vierte und vorerst letzte Buch auf meiner Liste ist der Roman Das letzte Testament der heiligen Schrift von James Frey. Es wurde mir von einer Freundin empfohlen, die ihm gegenüber aber selbst bereits ein wenig kritisch war. Sie hat es mir trotzdem ausgeliehen und ich bin sehr gespannt auf die Ideologie, die wohl einige große und wichtige Fragen der Philosophie und Religion zu erklären versucht. Wer schon einmal von James Frey gehört hat weiß, dass er durchaus umstritten und nicht auf den Mund gefallen ist. Dafür muss aber auch nur er selbst mit dem Endergebnis zufrieden sein. Vielleicht gehe ich deswegen selbst ein klein wenig kritisch an diese Lektüre heran. Aber, um ehrlich zu sein, das kann bei James Frey mit Sicherheit nicht schaden.

Das ist meine TBR-Liste für den Rest des Augusts. Viel Spaß beim Lesen und Recherchieren! Und Rezensionen folgen dann auf jedenFall, sobald ich sie alle durch habe.

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