Paper Towns: Teil 4 von “An Abundance of Green-Books”

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Teil 4 von „An Abundance of Green-Books“, die Post Reihe über die John Green-Bücher die ich gelesen habe, und die, die ich noch nicht gelesen habe!

Heute ist das Buch dran, das nach dem TFIOS – Hype (The Fault in our Stars / Das Schicksal ist ein mieser Verräter) das zweite Werk von John Green war, das es auf die Kinoleinwände geschafft hat: Paper Towns, auf Deutsch: Margos Spuren. Ich habe den Film mit meiner Mama im Kino gesehen und es ist das einzige Mal, an das ich mich erinnern kann, dass wir gemeinsam im Kino waren. Es war lustig. Der Film ist kein cineastisches Meisterwerk, ich glaube, dafür ist die Story nicht ausgelegt. Es geht viel eher um Zwischenmenschliche Beziehungen. Im Buch sind sie die Grundlage für das ganze Geschehen und generell der Grund für die großen Fragen, an die die Story sich wagt: Wie sehen wir uns selbst? Wie sehen wir andere? Und was kann passieren, wenn wir andere Menschen nur so limitiert wahrnehmen, wie sie uns im Alltag präsentiert werden?

Der Hauptcharakter ist Quentin und er ist der langweiligste Charakter, über dessen Persönlichkeit erzählt werden kann. Aber er ist ein wunderbarer Beobachter; nicht weil er besonders gut darin ist – im Gegenteil – sondern weil er in den Augen der anderen keine Gefahr darstellt. Sie sind in seiner Gegenwart besonders offen und fühlen sich wohl. Seine Freunde wissen das zu schätzen und Margo, seine Nachbarin, weiß es auszunutzen. Seine Gutmütigkeit und jugendlich-naive Weltbetrachtung sorgen jedoch dafür, dass er aus allem, was passiert, etwas Gutes ziehen kann.
Quentin wohnt schon seit er klein ist neben Margo. Und sie war ihm schon immer ein Mysterium, das nicht entschlüsseln konnte. Als Kinder waren sie gut befreundet, wie das oft ist, bei Nachbarskindern, doch bis hin zur High School driften sie immer weiter auseinander. Es ist keine beendete Freundschaft oder gegenseitiges Missfallen, sie haben bloß immer weniger miteinander gemacht und grüßen sich nun nicht einmal mehr, wenn sie sich auf den Gängen ihrer Schule begegnen. Dann steigt Margo eines Nachts durch Quentins Fenster in sein Zimmer und leiht ihn und sein Auto für eine Nacht voller Missionen. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden und die Nachwirkungen ihres und seines Abenteuers sprechen deutliche Zeichen: Sie ist abgehauen. Quentin folgt den winzigen Spuren, die die unergründliche Margo ihm hinterlassen hat und macht sich, begleitet von seinen und ihren Freunden, auf die Suche.

Das Buch ist tiefgründig und manchmal schon fast zu nachdenklich für das Alter der Charaktere. Trotzdem macht es Spaß, auch wenn es sinnvoll sein könnte, es mehr als einmal zu lesen. Ich bin mir auch sicher, dass es eine dieser Geschichten ist, aus der man jedes Mal wieder etwas Neues ziehen kann, ganz abhängig davon, in welcher Lebensphase oder Situation man sich gerade selbst befindet. Die schönsten Ideen, die die Geschichte vorstellt, sind keine heroischen oder allgemeinen Weisheiten. Sie sind viel eher der Ansicht, dass Nachdenken nicht schadet und man manchmal Fehler macht, die nicht von vornherein Fehler sind – dass nicht alles, was aussieht wie ein Mysterium auch eines ist und dass manche von ihnen besser nicht entschlüsselt werden, bevor man selbst in der Aufgabe verloren geht.

Die Sprache ist nicht ganz so pretentiös, wie in The Fault in our Stars, und es ist sehr viel lustiger. Auch offensichtlich lustiger, wenn man den Humor mag. Wer actiongeladene Jugendbücher sucht, liest lieber etwas anderes, auch wenn ein Family-Van und eine nächtliche Kuh dem ganzen gerecht werden könnten, aber es ist vor allem ein Buch zum mitfühlen, denken und sich eine Meinung machen. Am Ende kann man sich tatsächlich fragen, was hätte ich gemacht, ohne sich vom Verhalten der Charaktere abhängig machen zu müssen. Das kann nun eine Schwachstelle oder eine der größten Stärken in der Erzählung sein, das ist abhängig vom Leser, doch es ist auf jeden Fall darauf zurückzuführen, dass man jeden Einzelnen von Quentins Freunden, und auch ihn selbst, als Menschen wahrnimmt und nicht als scharfgezeichnete Superhelden.

Definitiv zu empfehlen, wenn man gerne etwas nachdenkt und nicht nach einer Explosion nach der anderen dürstet. Dann kann fast nichts schiefgehen und man hat auch noch Spaß dabei. Und dann kann man natürlich noch den Film angucken.

Das war Teil 4 von „An Abundance of Green-Books“, der Post-Reihe über die John-Green-Bücher die ich gelesen, und die, die ich noch nicht gelesen habe 🙂

Titel: Margos Spuren / Paper Towns
Autor: John Green
Verlag: Speak (2009)
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12-17
Genre: Jugendbuch
Typ: Taschenbuch
Preis: 5,99€
ISBN-10: 014241493X
ISBN-13: 978-0142414934


Witches walk devious paths.

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Teil 3 von An Abundance of Green-Books

will-und-will“Will Grayson, Will Grayson” – ein wichtiges Buch

Willkommen bei Teil 3 von An Abundance of Green-Books – der Post-Reihe über John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen habe!

Und damit zu “Will Grayson, Will Grayson”, einem Buch das wichtig und anders ist. John Green und David Levithan haben dieses Buch gemeinsam geschrieben und ein Musical in die Story hineingeschrieben, das ich wirklich gerne selbst einmal sehen möchte. Die Charaktere sind komplex und so grundsätzlich menschlich und dadurch nachvollziehbar, dass es an manchen Stellen fast unangenehm zu lesen ist. Es geht um Freundschaft, Cybermobbing, Lügen, Freunde verlieren, Freunde finden und darum, sich auch alleine hinaus in die Welt zu wagen.Will Grayson ist 17 und in Jane verliebt. Will Grayson ist 17 und schwul. Es handelt sich nicht um ein und dieselbe Person – was ein spannendes Buch für sich selbst wäre – sondern um Namensvettern. Wie sich herausstellt, gibt es den Namen “Will Grayson” erstaunlich oft. Und wie das so ist, mit Namensvettern, spielt die Sympathie, die man für jemanden hat, der denselben Namen trägt, eine große Rolle. Beide Wills könne mit ihrer Liebe nichtt richtig umgehen: Der eine kann sich nicht eingestehen, dass er für seine gute Freundin mehr empfindet und der andere weiß nicht, wie er mit der Liebe, die er als anders empfindet, umgehen soll. Und dann begegnen sie sich und es scheint ein böser Scherz zu sein, der angesichts der seltsamen Situation, in der sie sich treffen, sehr bitter schmeckt. Als sich dann herausstellt, dass ihr Treffen ein Zufall war, hat der erste Eindruck schon alles zynisch eingefärbt.

Ich glaube “Will und Will”, wie es auf Deutsch heißt, war das erste Buch, das ich gelesen habe, bei dem ich die seltene, aber bemühte Repräsentation von queeren Charakteren in der Jugendliteratur bewusst wahrgenommen habe. Es war eine der ersten Debatten über die Repräsentation von gesellschaftlichen Minderheiten, die ich zu der Zeit mitbekam und bin dadurch über das Buch gestolpert.

Ich wusste lange Zeit nicht, wie ich die Geschichte finde. Es hat einige narrative Schwächen und viele gefühlte Unstimmigkeiten können bestimmt darauf zurück geführt werden, dass zwei Autoren daran geschrieben haben. Aber es ist ein thematisch wichtiges Buch, vor allem, wenn es um Freundschaft und Vertrauen geht. Es ist einfach sich online zu anonymisieren und einem Freund etwas vorzuspielen. Das heißt aber nicht, dass das eine gute Idee ist. Wenn man dann noch versucht etwas über den anderen herauszufinden, kann viel zu Bruch gehen und sich ein Verhältnis für immer ändern. Freundschaften sind grundsolide, aber fragil, wenn sie an der Substanz angegriffen werden.

Was ich aus dem Buch mitgenommen habe, ist ein Verständnis für Neugier, und Grenzen, die trotzdem nicht überschritten werden dürfen, dass alle Personen erst einmal Menschen sind und man sich manchmal von Gefühlen zu dummen Dingen verleiten lässt. Nichts davon entschuldigt sich schnell und für immer, aber die Geschichte zeigt, dass es oft am schwersten ist, sich überhaupt zu entschuldigen.

Das Buch ist sehr unterhaltsam und mitreißend, hat seine Hoch- und Tiefpunkte und regt zum Nachdenken an. Es ist manchmal etwas holprig, aber das gibt sich meistens sehr schnell, sobald man weiter liest. Und schlussendlich gewöhnt man sich auch ein bisschen daran. Das Buch ist wichtig, weil es nicht viele dieser Art gibt, die nicht automatisch in die Kategorie Schullektüre gepackt und undankbar abgehakt werden. Dafür ist es in seiner Klischeehaftigkeit zu ungewöhnlich und unbemüht: Es will nicht belehren und es will Klischees nicht zwanghaft umgehen und das macht Spaß. Und dann ist es auch ein kleines bisschen abstrus und davon kann man nie genug haben 🙂

Dann bis zum nächsten Mal und bis zu Teil 4 von An Abundance of Green-Books, der Reihe über die John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen habe😀

Titel: Will Grayson, Will Grayson

Autoren: David Levithan, John Green

Typ: Taschenbuch

Inhalt: Jugendroman

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12-17 Jahre

Seiten: 352

Verlag: Penguin (2012)

ISBN-10: 0141346116

ISBN-13: 978-0141346113


Witches walk devious paths.

 

Teil 2 of An abundance of Green-Books

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“Let it snow” Noch nicht gelesen, empfehlenswert?

Willkommen bei Teil 2 An Abundance of Green-Books – der Post-Reihe in der ich über die Bücher von John Green schreibe! Die, die ich gelesen und die die ich noch nicht gelesen habe.

Eines seiner Bücher, das ich noch nicht gelesen habe, ist “Let it snow”. Zusammen mit Maureen Johnson und Lauren Myracle hat John Green in diesem Buch drei Kurzgeschichten zusammengestellt. Wie der Titel ahnen lässt, dreht sich alles um den Winter, Schnee, die Weihnachtsfeiertage und die besonderen Beziehungen zu Menschen, die sich zu dieser Zeit des Jahres entwickeln können und über alte Bekanntschaften, über die man manchmal ganz unverhofft stolpert.

So wie ich diese drei Autoren kenne, haben sie wahrscheinlich einen kleinen sprachlichen Lesegenuss – passend für diese magische Zeit des Jahres – aus ihren Fingern fließen lassen. Und ich bin wirklich gespannt und aufgeregt, weil ich fest vorhabe ihre Geschichten diesen Winter zu lesen. Mir gefällt die Idee, dass es sich dabei tatsächlich um drei unabhängige kleine Werke handelt, obwohl mittlerweile nur noch selten Bücher verlegt werden, die Sammlungen und keine abgeschlossenen Eine-Story Werke sind. Ganz ungerechtfertigt! Man kann sie wunderbar verschenken: Anders als bei einem Buch, das jemandem gefallen oder nicht gefallen kann, hat eine Sammlung immer noch die Option, dass man noch etwas darin findet, was dem Beschenkten Freude und Spaß macht – selbst wenn nicht alles seinem Geschmack entsprechen sollte. Und sie sind schöne Beschäftigungen für zwischen drin oder am Abend, wenn man gerne noch etwas lesen, es aber nicht unabgeschlossen stehen lassen möchte. Das Buch hat eine Altersempfehlung von 12-15 Jahren, aber das hat mich bis jetzt noch die davon abgehalten ein Buch zu lesen und zu mögen. Bin nur ich es, oder sind Kinder- und Jugendbücher sehr häufig besser und gewissenhafter lektoriert?

Das beschließt meine Überlegungen und Hoffnungen für “Let it snow”! Wer hat es gelesen und was könnt ihr dazu sagen? Hat es euch gefallen, würdet ihr es weiterempfehlen?

Dann bis zum nächsten Mal und bis zu Teil 3 von An Abundance of Green-Books, der Reihe über die John Green-Bücher, die ich gelesen und die, die ich noch nicht gelesen haben 😀

Titel: Let it snow

Autoren: Maureen Johnson, John Green, Lauren Myracle

Typ: Taschenbuch

Inhalt: Kurzgeschichten zu und über die Weihnachtsfeiertage

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre

Seiten: 368

Verlag: Speak (2008)

ISBN-10: 0142412147

ISBN-13: 978-0142412145

 


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An abundance of Green-Books

Teil 1: The Fault in our Stars / Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Sie stehen in fast jedem Zimmer und auf fast jedem Buchregal der, vorwiegend weiblichen und jugendlichen, Fangemeinde John Greens. Und kaum ein Buch wurde so sehr verehrt und diskutiert, angehimmelt und auseinandergenommen, wie The Fault in our Stars bzw. Das Schicksal ist ein mieser Verräter.

the fault in our starsMan kann es niemandem wirklich verübeln, denn die angesprochenen Themen sind nicht gerade die einfachsten und ungefährlichsten. Krebs und Tod in einem Jugendbuch verbunden mit den Abenteuern des Aufwachsens, der ersten Liebe und der Ungewissheit, ob irgendeiner es überhaupt bis zum legal-drinking-age schafft, sind schwere Steine in jeder Erzählung. John Green hätte viel falsch machen können und hat es geschafft, den Krebs nicht in der Vordergrund zu rücken. Das Problem mit dieser Meinung und Aussage ist, dass sie grundsätzlich subjektiv ist. Viele Leser waren der Meinung, dass die, oft tödlichen, Erkrankungen romantisiert wurden und Krebs verherrlichen würden. Ich persönlich kann mir nur schwer ein Buch vorstellen, dass deutlicher aufzeigt, wie limitierend, einschränkend und (pardon) beschissen eine solche akute Krankheit tatsächlich ist, ohne explizit in jedem zweiten Satz zu erwähnen, dass Krebs nicht romantisch und keine schöne Erfahrung ist. Das Buch zeigt, dass neben dem Schicksal, mit dem die Protagonisten umgehen müssen, der Rest des Lebens nicht immer ganz verloren gehen muss, aber trortzdem massiv davon beeinflusst wird. Es ist ein Taschentuch-Buch, weil wenig geschönt wird. Es ist von Zeit zu Zeit sprachlich hochgestochen, was ich in den meisten Dialogen genossen habe, weil es eine fiktionale Geschichte ist und die Fiktion der Intelligenz, die die Charaktere sprachlich darstellen, etwas ist, das zwar nicht wirklich real, aber schön vorzustellen ist. Nur an wenigen Stellen, war das Klischee ein bisschen zu bedient und nicht mehr glaubwürdig.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich zu dem Buch stehe. Ich habe starke Meinungen, durfte aber auch viel von den Diskussionen über das Buch mitbekommen. Es ist ein Thema, über das ich bis jetzt noch nicht viel gelesen habe. Es ist nicht einfach sich daran zu wagen und man hätte es vielleicht auch besser machen können. Ich vermute aber, dass es egal wäre, wie die Geschichte um Hazel und August dargestellt würde, es fände sich immer jemand, der ein Problem damit hätte und sich persönlich angegriffen fühlen würde.

Grundsätzlich finde ich es empfehlenswert und in der heutigen non-Fantasy Jugendbuch Landschaft eine Abwechslung, was die Thematik betrifft.

Wie steht ihr zu dem Buch? Habt ihr es gelesen? Was ist eure Meinung zu der Umsetzung und würdet ihr es weiterempfehlen?

Ich bin gespannt auf eure Antworten!


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Lucian-Rezension

lucian

Vom Arena-Verlag-Lucian

von Isabel Abedi

Lucian ist eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe es mindestens schon drei Mal gelesen und die Damen in der Bücherei werden bestimmt bald nicht mehr fragen, ob ich es wirklich noch einmal ausleihen möchte. Das Buch ist nicht mehr das jüngste, die erste Auflage erschien schon in 2009, aber es ist ziemlich zeitlos. Ich bin durch Zufall darauf gestoßen und habe es wegen des Covers und dem Klappentext mitgenommen. Da sieht man mal wieder, wie einfach wir zu beeinflussen sind. Aber es stimmt doch, bis zu einem gewissen Grad, dass man ein Buch nach seinem Cover bewerten kann (nicht dass ich nicht auch schon enttäuscht worden wäre…).

Als ich Lucian das erste Mal gelesen habe, war ich begeistert – bin ich heute noch – aber es war vor allem die ungewöhnliche Geschichte und die Art, wie die Fantasy-Elemente eingebaut wurden. Es war anders und das hat mich gefreut, weil es zu der Zeit fast nur Drachen- und Vampir-Romane gab, die sich alle ein bisschen ähnelten.

Rebecca lebt ein Teenager-Leben, wie man es sich träumt. Sie hat ihre eigenen Meinungen, ist aber reflektiert und trifft keine voreiligen Schlüsse. Trotzdem ist sie spontan und ein kleines bisschen verrückt, gerade so viel, dass es sie sehr sympathisch macht. Sie hat ihre erste Beziehung beendet, oder ist die meiste Zeit der Meinung, dass sie sie beendet hat, aber wie das so oft ist, ist das nicht so richtig eindeutig. Sie lebt mit ihrer Mutter und deren Freundin harmonisch zusammen, hat eine beste Freundin und das kleine bisschen Beziehnugsdrama, weil ihr Ex-Freund sie immer noch liebt. Ihr Vater lebt mit seiner Gefährtin in Amerika – normalerweise ab vom Schuss für regelmäßigen Austausch – aber auch das bekommen irgendwie hin. In all dieser Normalität hat Rebecca eines Abends das Gefühl, als würde etwas in ihr zerreißen und es ist ziemlich schnell vorbei mit der Idylle.

Das Schöne ist, dass die Widrigkeiten nicht von dort kommen, wo man ihren Ursprung vermuten würde. Der geheimnisvolle Fremde ist tatsächlich ein geheimnisvoller Fremde – im wahrsten Sinne des Wortes – und wird zu einem besonders interessanten Teil des Romans. Er kann nicht gleich zu Beginn in eine Love-interest-Schublade gesteckt werden und das ist, neben der allgemeinen Unvorhersehbarkeit der Geschichte, mit das Beste an diesem Buch.

Es hat ein-zwei Stellen, durch die man sich ein bisschen durchkämpft, weil man die ruhigeren Passagen gerne überspringen möchte, es ist jedoch zu keinem Zeitpunkt langweilig oder vorhersehbar. Und wenn es doch einmal so sein sollte, dann nur in sehr kleinen Bereichen, die sich kaum auf den Gesamteindruck auswirken. Rebeccas Universum ist klein und kann sehr schnell überblickt werden. Dafür bekommt alles, was in ihm stattfindet, einen besonderen Wert. Manchmal wird dort zwar ein bisschen relativiert, aber es ist, nach dem zweiten Lesen, nicht mehr hundertprozentig realistisch. Trotz, oder gerade wegen der ungewöhnlichen Ereignisse in ihrem Leben, bleibt es so idealisiert, wie es zu Beginn bereits ist. Das Abenteuer gehört dazu und man verbringt das ganze Buch in dem Glauben, dass es erfolgreich überstanden wird (no Spoilers).

Ich empfehle es wärmstens! Und den Ausdruck benutze ich normalerweise nicht. Aber es ist ein Buch, das Erwartungen aufkommen lässt und sie nur wenige Augenblicke später zerschlägt, weil die Dinge nicht so passieren und die Grundidee eine andere ist, als bei den Büchern, die man sonst gerne gelesen hat. Man darf sich in Träumereien verlieren, die Rebecca als Hauptcharakter in ein besonderes Licht rücken, ohne all die üblichen Klischees zu bedienen. Und es ist von vornherein genug normales Leben beschrieben, um das Geschehen und seine Auswirkungen als Leser nachvollziehen zu können.

Das Buch habe ich aus der Bücherei ausgeliehen. Sie haben es dort als Hardcover-Ausgabe, die langsam auseinanderfällt, sich in den vielen Leserhänden aber sehr gut gehalten hat. Lediglich der Buchrücken war schon immer provisorisch und zur Verstärkung geklebt. Für die Tasche ist es fast ein bisschen groß und dick, kommt darauf an, was man sonst noch mitnehemen möchte.

Material: 9 aus 10

Gestaltung: 8 aus 10

Preis-Leistung: 10 aus 10

Inhalt: 8,9 aus 10

Gesamtnote: 9 aus 10

Titel: Lucian

Autor: Isabel Abedi

Typ: Hardcover

Seiten: 480

Verlag: Arena, 2009

Vom Verlag empfohlenes Alter: 12 und älter

Sprache: Deutsch

Preis: Hardcover – 18,99€ / Taschenbuch – 9,99€ / umsonst in der Bücherei 🙂

ISBN-10: 3401062034

ISBN-13: 978-3401062037


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In meiner Tasche: Gemeinsam Lesen

Und weils gerade so viel Spaß macht: Was ich gerade lese

Das ist eine Blogaktion von den Schlunzen von Schlunzenbücher und sie geht schon in die 179. Runde.Die ersten drei Fragen sind immer dieselben:

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese gerade Gullivers Reisen und bin auf Seite 43.
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
“In like manner, the disbelief of a divine providence renders a man uncapable of holding any public station.”
 
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass es so lustig ist! Es ist ein Klassiker und das hat bestimmt auch seinen Grund, aber es ist auf sehr vornehmem Englisch geschrieben und wirkt auf den ersten Blick sehr ernst. Sobald man sich aber ein bisschen in der Sprache zurechtfindet und sich auf den Stil einlässt, bemerkt man den unfassbar trockenen Humor. Nur zu empfehlen!
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Die vierte Frage wird jedes Mal neu, aus den Kommentaren zum Post, ausgesucht. Wenn ihr also neugierig seid, was das Leseverhalten eurer Kollegen angeht…
Die vierte Frage lautet dieses Mal:
 
4. Haben Autoren bei dir Star-Charakter?
Wenn sie besonders gut sind bzw. wirklich gut schreiben, dann vielleicht ein kleines bisschen.
Aber eher als eine Vorbildfunktion: Ich bewundere ihr Können, ihre Arbeit und Werke und ich lese sie gerne, weil mich die Qualität überzeugt, weil ich Spaß an ihren Büchern habe. Sie schreiben dann meistens auch in einem Stil, den ich mir gerne selbst aneignen würde. Da kann es passieren, dass ich mich für einen Autor besonders begeistere und ich mir ein idealisiertes Bild von ihnen mache.
Ich versuche trotzdem sie mir als komplexe Menschen mit eigenen Gefühlen, Meinungen und Hoffnungen vorzustellen und Freiräume für Eigenheiten zu lassen, über die man nichts in den Medien liest. Ich hoffe, ihnen so eines Tages begegnen zu können und dann nicht enttäuscht zu sein, weil ich sie in meinen Tagträumen zu Übermenschen und schreibenden Superhelden aufgeblasen habe.
 

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Meine TBR-Liste diesen Monat

Dieser Monat hat schon nicht mehr all zu viele Tage, aber bis zum Ende habe ich trotzdem noch ein paar Bücher, die gelesen werden möchten. Deshalb sind sie auf meiner TBR – to be read – Liste. Und ganz oben drauf ist das Buch, das ich auch noch genauer vorstellen werde, weil es sich gerade in meiner Tasche befindet: Gulliver’s Reisen; oder besser gesagt, Gulliver’s travels von Jonathan Swift, weil ich es auf Englisch lese. Als Klassiker- Fan habe ich mich schon lange darauf gefreut, es endlich einmal aus dem Regal zu ziehen und zu lesen.

Aus derselben Klasiker-Liebe liegt auch The great Gatsby (Der große Gatsby) von F. Scott Fitzgerald auf Englisch auf meinem Stapel. Ich muss zugeben, dass ich den neuen Film mit Leonardo Di Caprio und Carry Mulligan gesehen und nicht wirklich gemocht habe. Er hätte mit Sicherheit noch schlechter sein können, aber eben auch deutlich besser. Weil das Buch in den USA und Großbritannien aber so viel Aufmerksamkeit bekommt, vor allem auch in den Schulen, wie hier zu Lande Kafka und Dürrenmatt, bin ich mehr als neugierig. Und ich bin natürlich der Hoffnung, dass sich wieder einmal bestätigt, dass das Buch besser ist als der Film.

Ebenfalls auf meiner Liste befindet sich ein Roman von Yoko Tawada. Sie hat dieses Jahr (2016) den Kleist-Preis gewonnen, der ihr noch verliehen wird. Einige ihrer Werke sind auf Deutsch und Japanisch verfasst, aber ich habe mich an ein ganz deutsches Exemplar gehalten, weil mir leider noch ein paar Japanisch-Kenntnisse fehlen. Ich lese deshalb Das nackte Auge, das eine West-Ost Geschichte aus einer anderen Perspektive darstellt. Ich möchte vor allem sehen, was ihr Schreibstil zu bieten hat und ob ihr Einfallsreichtum aus anderen Sphären schöpft, als der deutscher und englischer Autoren. Vielleicht ist das etwas anmaßend und überheblich, aber es ist ein wenig die Vorfreude, dass ich vielleicht etwas lese, das ich noch nie zuvor gelesen habe, was mich dazu bringt, diesen Roman in die Hand zu nehmen – abgesehen davon, dass sie einen sehr renommierten Preis gewonnen hat und das etwas über ihre schriftstellerische Qualität aussagen könnte.

Das vierte und vorerst letzte Buch auf meiner Liste ist der Roman Das letzte Testament der heiligen Schrift von James Frey. Es wurde mir von einer Freundin empfohlen, die ihm gegenüber aber selbst bereits ein wenig kritisch war. Sie hat es mir trotzdem ausgeliehen und ich bin sehr gespannt auf die Ideologie, die wohl einige große und wichtige Fragen der Philosophie und Religion zu erklären versucht. Wer schon einmal von James Frey gehört hat weiß, dass er durchaus umstritten und nicht auf den Mund gefallen ist. Dafür muss aber auch nur er selbst mit dem Endergebnis zufrieden sein. Vielleicht gehe ich deswegen selbst ein klein wenig kritisch an diese Lektüre heran. Aber, um ehrlich zu sein, das kann bei James Frey mit Sicherheit nicht schaden.

Das ist meine TBR-Liste für den Rest des Augusts. Viel Spaß beim Lesen und Recherchieren! Und Rezensionen folgen dann auf jedenFall, sobald ich sie alle durch habe.

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Der geheime Garten-Rezension

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Englische Version aus der Reihe der Collins Classics-The Secret Garden

von Frances Hodgson Burnett

Das Buch das ich unbedingt als erstes rezensieren möchte, ist Der geheime Garten von Frances Hodgson Burnett. Das Buch liegt mir sehr am Herzen und noch viel mehr, seit ich es vor kurzem wieder entdeckt habe und es mir sehr viel Spaß gemacht hat es zu lesen.

Ich stoße nicht oft auf Bücher, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, aber von Zeit zu Zeit stolpere ich über einen kleinen Schatz. Ich gebe zu, es sind oft Kinderbücher, aber nicht immer. Viele von ihnen habe ich auch schon einmal zuvor gelesen, oder in einer anderen Form, zum Beispiel als Hörspiel oder als Film genossen. Aber es ist immer Raum für neue, besonders gute Bücher.

Ich glaube mich zu erinnern, dass ich den geheimen Garten als Kind schon einmal als Film gesehen habe. Ich weiß auch, dass ich das Buch auf deutsch von Freunden ausgeliehen hatte und nie zum Lesen kam. Also habe ich es mir gekauft, als ich 2012 nach dem Abi mit einer Freundin nach Dublin geflogen bin. Und vor einer Woche habe ich es dann auch gelesen – auf Englisch.

Mary Lennox hat ihr Leben lang in Indien gelebt und wurde dort von der Dienerschaft ihrer Eltern versorgt. Nachdem beinahe alle, einschließlich ihrer Eltern von der Cholera hinweggerafft wurden, wird sie nach England zu ihrem Onkel gebracht, der in einem sehr großen und sehr einsamen Haus lebt. Ihre unangenehme Art stößt in der neuen Umgebung erstmals auf Widerstand und sie sieht sich gezwungen andere Wege einzuschlagen, um mit den Bediensteten umzugehen. Die Freundschaft zu Dickon, dem kleinen Bruder einer Angestellten, lässt sie die Welt noch einmal neu entdecken und zum ersten Mal die Luft der Kindheit schnuppern. Doch es verändert sich alles, was sie bis dorthin zu wissen glaubt, als ein Rotkehlchen ihr das Versteck eines Schlüssels offenbart und die Erzählungen des Gärtners Ben Weatherstaff in ihren Händen zum Leben erwachen.

Das Buch fängt ein kleines Bisschen träge an, kommt aber schnell in Fahrt. Es ist, trotz des etwas schwierigen Anfangs zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Tempo der aufeinanderfolgenden Geschehen ist gut aufeinander abgestimmt und lässt einen, ohne Hektik, zügig durch die Erzählung schreiten. Die Erzählung selbst ist kurios und macht sehr neugierig. Wenn man noch nicht weiß, wie es ausgeht, kann man es sich zwar schon recht bald denken, möchte es aber unbedingt selbst lesen und die Entwicklung der Charaktere beobachten. Sie lässt ein wunderbar wohliges Gefühl von Nostalgie aufleben – Von Kindheit, vom Spielen im Garten und im Wald und all den kleinen Geheimnissen, die man mit seinen Freunden und Geschwistern vor den Erwachsenen gehütet hat. Es ist sehr malerisch geschrieben und entführt zuverlässig aus der realen Welt. Nicht unbedingt in eine sorglosere Welt der Kindheit, aber sie ist egoistisch genug, um nicht einzusehen, warum man unglücklich sein sollte. Die Gedankengänge und der rote Faden sind einfach und sehr gut nachvollziehbar. Es wird recht schnell deutlich, dass der malerische Stil die Hauptrolle spielt und die Erzählung nicht auf eine aufwendige Struktur angewiesen ist, um zu überzeugen. Es ist eindeutig ein fiktionaler Roman, der auch schon von Kindern gelesen werden kann. Es macht aber Sinn, sich hier an die Empfehlung von zwölf Jahren und älter zu halten. Älter schließt definitiv niemanden aus. Ich bezweifle, dass ich den Tiefgang und die Weisheit dieses Buches vor ein paar Jahren schon zu schätzen gewusst hätte. Es ist aber auch eine gewisse emotionale Reife nötig, um die Naivität, die demonstriert wird und wichtig für die Handlung ist, als solche wahrzunehmen. Am Besten liest man einfach mal rein und macht sich selbst ein Bild, denn ich kann ganz sorglos behaupten, dass es sich um ein kleines literarisches Kunstwerk handelt, nicht per se um ein Kinderbuch und es sich in jedem Fall lohnen würde.

Das Cover ist etwas dunkel und sehr klassisch, eben nach Collins Classics Manier. Dafür, dass es dort als ein Kinderbuch gehandelt wird, ist es aber etwas zu ernst und sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Krimicover.

Die Version die ich habe ist die Englische Taschenbuchausgabe aus der Reihe der Collins Classics. Das Buch hat 288 Seiten und eine schöne Taschengröße, Gekostet hat es nicht mehr als fünf Euro, den genauen Preis weiß ich leider nicht mehr.

Material: 8 aus 10

Gestaltung: 6 aus 10

Preis-Leistung: 9 aus 10

Inhalt: 8.5 aus 10

Gesamtnote: 7.9 von 10

Titel: The Secret Garden

Typ: Taschenbuch

Seiten: 288

Verlag: William Collins, Neuauflage 2010

Vom Verlag empfohlenes Alter: 12 und älter

Sprache: Englisch

ISBN-10: 0007351062

ISBN-13: 978-0007351060


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