Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

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Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

Das kleine Buch von Bastei-Lübbe liest sich in zwei Stunden. Einerseits weil es mit 422 Seiten nicht sehr lang ist, andererseits, weil es einen sehr angenehmen und ununterbrochen fließenden Schreibstil hat. Man liest es mal eben so. Das ist fast schon schade, weil beim fliegenden Lesen – sobald man einmal in Schwung gekommen ist schafft man es kaum mehr langsamer zu werden – vieles nicht mitgenommen wird. Aber es ist alleine schon ein schwieriges Vorhaben sämtliche Referenzen und Bilder, die aufgemacht werden, angemessen zu honorieren, kurz zu verweilen und ihrem Potential gerecht zu werden, weil es eine sehr hohe Dichte gibt. Es wird nicht langweilig, aber gelegentlich etwas anstrengend, wenn auf einer Seite kurz nacheinander mehrere Momente angesprochen und angestupst, aber nicht weiter ausgeführt werden. Es könnte von Zeit zu Zeit frustrieren. Wenn man darüber hinweg lesen kann und der künstlerische Anspruch an sich selbst nicht zu hoch ist, hat man es aber mit einer unterhaltsamen Erzählung zu tun. Der trockene, sarkastische und ironische Humor, der die unverhohlene Lüge nicht erklärt und dementsprechend den Charakteren – denen die lügen, und denen die angelogen werden und reagieren – eine besondere Art der Charakterisierung zukommen lässt. Ein nachdenkliches, humoristisches Buch, das das Heimweh nach Routine und das sentimentale Schwelgen in alten und neuen Träumen die Nasen aneinander reiben lässt. Kurz: Die moderne Individualkultur gekonnt pauschalisiert. Die letzten zwei Kapitel sind wahrscheinlich dem Rundfunkhintergrund des Autors geschuldet; erneut Kultur – eine Abschlusskultur. Es bleibt nicht viel zum Nachdenken, nachdem alle Fäden ordentlich verknotet wurden.

Altes Handwerk, zum lesen, anfassen, reüssieren und – nun ja – kritisieren. Der Schlüssel ist Kommunikation, wie die Erzählung bis auf die letzten zwei Kapitel sehr deutlich hervorhebt. Umso seltsamer, dass ganz am Ende wenig Raum zum Reden bleibt.


Witches walk devious paths!

Happy NaNoWriMo!

NaNoWriMo hat angefangen!nanowrimo

November ist National Novel Writing Month und Schreibinspiration für viele Schreibende, die sich gerne im Internet aufhalten und dort ein zu Hause gefunden haben. Ganz abgesehen davon ist es eigentliche eine ganz wunderbare Schreibübung für jeden, unabhängig von jeweiliger online-Affinität. Das Ziel ist ein Roman von ca. 50 000 Wörtern. Ob das Ziel erreicht wird, ist abhängig von Disziplin, Motivation und einer ordentlichen Idee. Für einige ist es bestimmt motivierend genug, dass ein guter ‘Roman/Novel’ verlegt werden könnte. Voraussetzung dafür ist, dass man sich auf der Webseite angemeldet hat und den Wordcount schafft.

Hört man sich aber ein bisschen um, bekommt man schnell mit, dass viele es als eine persönliche Herausforderung sehen und sich selbst ein Ziel stecken. Das kann eine Wort- oder Seitenanzahl sein, die lange anstehende Überarbeitung eines Manuskripts,  oder auch einfach nur die Suche nach einer neuen Routine, in der das Schreiben wieder häufiger vorkommt.

Alleine die Gemeinschaft und der kleine Hype, der einen immer wieder an seine selbst gestellte Aufgabe erinnert, sorgen dafür, dass viele deutlich produktiver sind, als normalerweise. Ob man einen Roman in einem Monat schreiben kann?  Es ist bestimmt nicht unmöglich. Ob er gut ist ist dahingegen eine andere Frage. NaNoWriMo sorgt aber mit Sicherheit dafür, dass einige Projekte, die schon lange nicht mehr angerührt wurden, wieder etwas Aufmerksamkeit und Pflege bekommen.                                                                                        Wer weiß, vielleicht ist da ja sogar was ordentliches dabei.

NaNoWriMo hat bereits begonnen; Start war am 1. November.

Geschrieben wird bis zum 30. November um 11:59 Uhr.

Gesamtziel: Ein 50 000-Wörter-Roman

Jemand dabei, der mitmacht? Und was haltet ihr von der Idee?


Witches walk devious paths.

Our Chemical Hearts

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Jugenbuch auf Englisch, damn fine

von Krystal Sutherland

UGH! So ein gutes Buch!

Our Chemical Hearts  ist ein fiktionales Jugendbuch, das wirklich Spaß gemacht hat. Und das, vorweg, ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk sein könnte (auch für Nicht-so-viel-Leser).

Henry Page ist – klassisch in diesem Genre – nicht auf dem Gipfel auf der High School-Popularitäts-Skala zu Hause; und die Umschreibung ist hier nötig, einfach so.Er ist nerdig, geekig, rundum gut erzogen und hat mit dem zerstörerischen Ruf seiner Schwester zu kämpfen, die früher jugendliche Straftäterin und mittlerweile Mutter und hoch studiert ist. Seine besten Freunde wohnen fast schon bei ihm und er bei ihnen, und eigentlich scheint in ihrem letzten Schuljahr alles ganz gut zu laufen. Doch dann taucht der Erzfeind aller nerdigen, geekigen, guten Noten-Schreiber auf: Ein Mädchen. Henrys ganz persönliches Kryptonit heißt Grace Town und ist angebracht seltsam. Sie sieht heruntergekommen aus, läuft mit Stock und hat scheinbar keine Vergangenheit, die sie mit ihrem neuen Umfeld teilen möchte. Sie werden zusammen als neue Chefredakteure ihrer Schulzeitung bestimmt, zusammen in ein kleines Zimmer gezwängt und sollten sich während dieser Zeit eigentlich nicht unbedingt näher kommen (weil, hochreflektierte Jugendliche und was sind Hormone nochmal). Dass das nicht funktioniert, ist zu erahnen.

Wenn das Buch nicht so hochaktuell wäre (übrigens, am besten noch vor der Präsidentschaftswahl in den USA lesen) und sich selbst, das Internet und Jugendbücher mit hochreflektierten Jugendlichen nicht dauernd selbst auf die Schippe nehmen würde, dann hätte das Ganze auch furchtbar schief gehen können. Ist es aber nicht. Respekt und Fleißsternchen, wohlverdient. Es ist ein Jugendbuch und es erfüllt alle Wünsche, die man für es haben kann. Wer John Green ( ja, ich weiß, schon wieder) gerne gelesen hat, mit Catcher in the Rye von Salinger und Eleanor and Park von Rainbow Rowell etwas anfangen kann, der sollte dieses Buch – alleine schon wegen der Pop-culture-Referenzen – unbedingt lesen, sich zu Weihnachten wünschen und eventuell auf eine gute Übersetzung hoffen.

Der Hauptcharakter nimmt sich als Jugendlicher selbst nicht so ernst, aber die Story ist ein herrlicher Egoist, was die Tragweite jeder einzelnen, winzigen Handlung angeht. Und als einigermaßen geübter Jugendromanleser kommt man voll auf seine Kosten. Man wird es aber auch genießen können, wenn man sonst nicht so viel aus dem Genre liest oder nur wenig Ahnung von der Online-Kultur (e.g. Katzenvideos, Memes und den dunklen Seiten von tumblr) hat.

Was nicht gefallen könnte: Die Sprache ist erwachsen und sehr schlagfertig. Passend für einen Jugendroman, der von Jugendlichen gelesen wird. Es wirkt vielleicht nicht zwingend realistisch, aber erfüllt doch ein wenig die Hoffnungen und Träume von Unterhaltungen, die nicht nur aus grammatischen Desastern und schlechten Beleidigungen bestehen. Die Werte des Hauptcharakters, die zu Anfang deutlich hervorgehoben werden, gehen auf dem Weg durch die Story erstaunlich schnell verloren; das hat mich vor allem gestört, weil die demonstrierte Reflektiertheit und die Handlung deshalb nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind.

Ein paar orthographische Fehler, fehlende Wörter und einsame Anführungszeichen sind in der Verkaufsauflage hoffentlich ausgemerzt; zumindest hoffe ich, dass ich nur ein Leseexemplar habe, denn das wäre schon ein bisschen bitter.

Übrigens haben die Fische auf dem Cover tatsächlich eine Bedeutung; wie metaphorisch diese ist, muss man selbst nachlesen. Es ist ein Jugendbuch dieser Zeit und wird ein hoffentlich ein Publikum erreichen, dass es zu schätzen weiß.

Titel: Our Chemical Hearts

Autor: Krystal Sutherland

Verlag: Hot Key Books (Okt. 2016)

Lesealter (vom Verlag empfohlen): 12-16 (älter ist fast besser)

Genre: fiktionales Jugendbuch

Seitenzahl: 313

Preis: 8,99€ (Taschenbuch)

ISBN-10: 1471405834

ISBN-13: 978-1471405839


 Witches walk devious paths.

Die Buchmesse hat begonnen.

Nach einer langen Fahrt von Konstanz nach Tübingen und dann, in einem süßen, alten Mazda, von Tübingen nach Frankfurt kamen wir Dienstag Mittag auf der Buchmesse an. Aufbau, Toiletten finden und sich ein bisschen umgucken, bevor das Chaos losgehen würde.

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Ironische Toiletten…

Und es ging los. Pünktlich um 9 Uhr morgens strömten Fluten von Fachbesuchern aus der S-Bahn ins Torhaus, durch die Taschenkontrolle und dann, über bunte Teppiche, in die Hallen der Aussteller.

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verhüllte Teppiche am Dienstag

Und bunte Teppiche am Mittwoch

Ausgestattet mit türkisenem Band in den Haaren und am Arm, mit Äpfeln, Birnen und Müsliriegel und diversen Ausweisen schwappte man durch die immer voller werdenden Gänge. Ein bisschen viel auf einmal, vor allem, wenn man zum ersten Mal auf der Buchmesse ist. Es ist ein Paradies, keine Frage, es ist nur sehr viel davon und ich wusste überhaupt nicht wo ich anfangen sollte. Ich glaube aber, dass ich es ganz gut geschafft habe. Ich habe zwei Hände voll Buttons für meine Jeansjacke,

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Buttons!

Unmengen an Postkarten und Lesezeichen und zumindest einmal eine Idee von den verschiedenen Bereichen, die in der Verlagswelt abgedeckt werden müssen. Am aufregendsten scheint es bei den Rechten und Lizenzen zuzugehen. An Tischen voller kleiner Snacks und zwischen Kaffeetassen, direkt an den Gängen oder verborgen hinter Vorhängen werden Geschäfte ausgehandelt, Rechte eingekauft und das Verlagsprogramm mitgestaltet.

Die großen Verlage mit riesigen Ständen sind einfach zu finden und bewerben ihre neusten Bücher, Hörbücher und alles andere, was sie so verkaufen. Aber zwischendrin, manchmal sehr versteckt und in Ständen, die kaum zwei Meter breit sind, findet man Papeterien und Kleinode an Büchern, die das Verlagsprogramm der letzten 30 Jahre wiederspiegeln. Sehr unterschiedlich aber alles sehenswert.

Vier weitere Tage stehen uns noch bevor, Menschen treffen und ein- zwei Programmpunkte abhaken und dann wird sie auch schon wieder vorbei sein. Wahrscheinlich viel zu früh, und das obwohl meine Füße heute schon wehtun.


Witches walk devious paths.