Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

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Meine Tage mit Fabienne – Hubertus Meyer-Burckhardt

Das kleine Buch von Bastei-Lübbe liest sich in zwei Stunden. Einerseits weil es mit 422 Seiten nicht sehr lang ist, andererseits, weil es einen sehr angenehmen und ununterbrochen fließenden Schreibstil hat. Man liest es mal eben so. Das ist fast schon schade, weil beim fliegenden Lesen – sobald man einmal in Schwung gekommen ist schafft man es kaum mehr langsamer zu werden – vieles nicht mitgenommen wird. Aber es ist alleine schon ein schwieriges Vorhaben sämtliche Referenzen und Bilder, die aufgemacht werden, angemessen zu honorieren, kurz zu verweilen und ihrem Potential gerecht zu werden, weil es eine sehr hohe Dichte gibt. Es wird nicht langweilig, aber gelegentlich etwas anstrengend, wenn auf einer Seite kurz nacheinander mehrere Momente angesprochen und angestupst, aber nicht weiter ausgeführt werden. Es könnte von Zeit zu Zeit frustrieren. Wenn man darüber hinweg lesen kann und der künstlerische Anspruch an sich selbst nicht zu hoch ist, hat man es aber mit einer unterhaltsamen Erzählung zu tun. Der trockene, sarkastische und ironische Humor, der die unverhohlene Lüge nicht erklärt und dementsprechend den Charakteren – denen die lügen, und denen die angelogen werden und reagieren – eine besondere Art der Charakterisierung zukommen lässt. Ein nachdenkliches, humoristisches Buch, das das Heimweh nach Routine und das sentimentale Schwelgen in alten und neuen Träumen die Nasen aneinander reiben lässt. Kurz: Die moderne Individualkultur gekonnt pauschalisiert. Die letzten zwei Kapitel sind wahrscheinlich dem Rundfunkhintergrund des Autors geschuldet; erneut Kultur – eine Abschlusskultur. Es bleibt nicht viel zum Nachdenken, nachdem alle Fäden ordentlich verknotet wurden.

Altes Handwerk, zum lesen, anfassen, reüssieren und – nun ja – kritisieren. Der Schlüssel ist Kommunikation, wie die Erzählung bis auf die letzten zwei Kapitel sehr deutlich hervorhebt. Umso seltsamer, dass ganz am Ende wenig Raum zum Reden bleibt.


Witches walk devious paths!