Schlaflose Nacht

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klein, gut und schnell gelesen

von Margriet de Moor

Dieses wirklich kleine Buch habe ich auf der Buchmesse von der mitnichten freundlichsten Verlagsmitarbeiterin des Hanser-Verlages bekommen. Entgegen meiner Erwartungen ist das Buch aber nicht ansatzweise langweilig.

Es ist eine Beobachtung einer schlaflosen Nacht, die Reflexionen √ľber die Vergangenheit – der nahen und der fernen – in ein Haus holt, das trotz kurzer Geschichte, viel zu erz√§hlen hat. Die Suche einer unerwarteten Witwe nach Sinn und Frieden – Wut, Obsession und experimenteller Chicoree-Anbau sind verzweifelt einfangend, auch wenn der Blick auf das Geschehene eine besonders gleichg√ľltige Note mit sich tr√§gt.

Wenn es nicht schon so kalt w√§re, h√§tte ich es wahrscheinlich ich nicht verstanden. Es braucht die Gesinnung eines nassen Novembermorgens und warmer F√ľ√üe, die sich aus der sch√ľtzenden Bettdecke auf ungeheizten Boden trauen und langsam ausk√ľhlen.

Trotz der Kritik liest es sich fl√ľssig und ist einnehmend geschrieben. Selbst wenn der Ton oder die Thematik etwas schwierig sind, rechtfertigen der Stil und die K√ľrze, dass man es verschenkt und weiterempfiehlt – literarisch hochwertige Werke, die eine Neuauflage¬† bekommen, rechtfertigen sich meistens selbst. Den Spa√ü hat mir da selbst die Hanserdame nicht verderben k√∂nnen. Daf√ľr kostet es aber auch ganz ordentlich.

Ich halte mich hier im Stile des Buches kurz, aber ausreichend informativ, lediglich sollte angemerkt sein, dass ein gewisses Alter, ca.15 Jahre angebracht wäre.

Titel: Schlaflose Nacht

Autor: Margriet de Moor

Verlag: Carl Hanser (N.A. 2016)

Genre: fiktionale Novelle

Seitenzahl: 128 Seiten

Preis: 16,00‚ā¨ (gebunden)

ISBN-10: 3446252800

ISBN-13: 978-3446252806


Witches walk devious paths.

 

 

 

Happy NaNoWriMo!

NaNoWriMo hat angefangen!nanowrimo

November ist National Novel Writing Month und Schreibinspiration f√ľr viele Schreibende, die sich gerne im Internet aufhalten und dort ein zu Hause gefunden haben. Ganz abgesehen davon ist es eigentliche eine ganz wunderbare Schreib√ľbung f√ľr jeden, unabh√§ngig von jeweiliger online-Affinit√§t. Das Ziel ist ein Roman von ca. 50 000 W√∂rtern. Ob das Ziel erreicht wird, ist abh√§ngig von Disziplin, Motivation und einer ordentlichen Idee. F√ľr einige ist es bestimmt motivierend genug, dass ein guter ‘Roman/Novel’ verlegt werden k√∂nnte. Voraussetzung daf√ľr ist, dass man sich auf der Webseite angemeldet hat und den Wordcount schafft.

Hört man sich aber ein bisschen um, bekommt man schnell mit, dass viele es als eine persönliche Herausforderung sehen und sich selbst ein Ziel stecken. Das kann eine Wort- oder Seitenanzahl sein, die lange anstehende Überarbeitung eines Manuskripts,  oder auch einfach nur die Suche nach einer neuen Routine, in der das Schreiben wieder häufiger vorkommt.

Alleine die Gemeinschaft und der kleine Hype, der einen immer wieder an seine selbst gestellte Aufgabe erinnert, sorgen daf√ľr, dass viele deutlich produktiver sind, als normalerweise. Ob man einen Roman in einem Monat schreiben kann?¬† Es ist bestimmt nicht unm√∂glich. Ob er gut ist ist dahingegen eine andere Frage. NaNoWriMo sorgt aber mit Sicherheit daf√ľr, dass einige Projekte, die schon lange nicht mehr anger√ľhrt wurden, wieder etwas Aufmerksamkeit und Pflege bekommen.¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Wer wei√ü, vielleicht ist da ja sogar was ordentliches dabei.

NaNoWriMo hat bereits begonnen; Start war am 1. November.

Geschrieben wird bis zum 30. November um 11:59 Uhr.

Gesamtziel: Ein 50 000-Wörter-Roman

Jemand dabei, der mitmacht? Und was haltet ihr von der Idee?


Witches walk devious paths.

Our Chemical Hearts

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Jugenbuch auf Englisch, damn fine

von Krystal Sutherland

UGH! So ein gutes Buch!

Our Chemical Hearts¬† ist ein fiktionales Jugendbuch, das wirklich Spa√ü gemacht hat. Und das, vorweg, ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk sein k√∂nnte (auch f√ľr Nicht-so-viel-Leser).

Henry Page ist – klassisch in diesem Genre – nicht auf dem Gipfel auf der High School-Popularit√§ts-Skala zu Hause; und die Umschreibung ist hier n√∂tig, einfach so.Er ist nerdig, geekig, rundum gut erzogen und hat mit dem zerst√∂rerischen Ruf seiner Schwester zu k√§mpfen, die fr√ľher jugendliche Straft√§terin und mittlerweile Mutter und hoch studiert ist. Seine besten Freunde wohnen fast schon bei ihm und er bei ihnen, und eigentlich scheint in ihrem letzten Schuljahr alles ganz gut zu laufen. Doch dann taucht der Erzfeind aller nerdigen, geekigen, guten Noten-Schreiber auf: Ein M√§dchen. Henrys ganz pers√∂nliches Kryptonit hei√üt Grace Town und ist angebracht seltsam. Sie sieht heruntergekommen aus, l√§uft mit Stock und hat scheinbar keine Vergangenheit, die sie mit ihrem neuen Umfeld teilen m√∂chte. Sie werden zusammen als neue Chefredakteure ihrer Schulzeitung bestimmt, zusammen in ein kleines Zimmer gezw√§ngt und sollten sich w√§hrend dieser Zeit eigentlich nicht unbedingt n√§her kommen (weil, hochreflektierte Jugendliche und was sind Hormone nochmal). Dass das nicht funktioniert, ist zu erahnen.

Wenn das Buch nicht so hochaktuell w√§re (√ľbrigens, am besten noch vor der Pr√§sidentschaftswahl in den USA lesen) und sich selbst, das Internet und Jugendb√ľcher mit hochreflektierten Jugendlichen nicht dauernd selbst auf die Schippe nehmen w√ľrde, dann h√§tte das Ganze auch furchtbar schief gehen k√∂nnen. Ist es aber nicht. Respekt und Flei√üsternchen, wohlverdient. Es ist ein Jugendbuch und es erf√ľllt alle W√ľnsche, die man f√ľr es haben kann. Wer John Green ( ja, ich wei√ü, schon wieder) gerne gelesen hat, mit Catcher in the Rye von Salinger und¬†Eleanor and Park¬†von Rainbow Rowell etwas anfangen kann, der sollte dieses Buch – alleine schon wegen der Pop-culture-Referenzen – unbedingt lesen, sich zu Weihnachten w√ľnschen und eventuell auf eine gute √úbersetzung hoffen.

Der Hauptcharakter nimmt sich als Jugendlicher selbst nicht so ernst, aber die Story ist ein herrlicher Egoist, was die Tragweite jeder einzelnen, winzigen Handlung angeht. Und als einigerma√üen ge√ľbter Jugendromanleser kommt man voll auf seine Kosten. Man wird es aber auch genie√üen k√∂nnen, wenn man sonst nicht so viel aus dem Genre liest oder nur wenig Ahnung von der Online-Kultur (e.g. Katzenvideos, Memes und den dunklen Seiten von tumblr) hat.

Was nicht gefallen k√∂nnte: Die Sprache ist erwachsen und sehr schlagfertig. Passend f√ľr einen Jugendroman, der von Jugendlichen gelesen wird. Es wirkt vielleicht nicht zwingend realistisch, aber erf√ľllt doch ein wenig die Hoffnungen und Tr√§ume von Unterhaltungen, die nicht nur aus grammatischen Desastern und schlechten Beleidigungen bestehen. Die Werte des Hauptcharakters, die zu Anfang deutlich hervorgehoben werden, gehen auf dem Weg durch die Story erstaunlich schnell verloren; das hat mich vor allem gest√∂rt, weil die demonstrierte Reflektiertheit und die Handlung deshalb nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind.

Ein paar orthographische Fehler, fehlende W√∂rter und einsame Anf√ľhrungszeichen sind in der Verkaufsauflage hoffentlich ausgemerzt; zumindest hoffe ich, dass ich nur ein Leseexemplar habe, denn das w√§re schon ein bisschen bitter.

Übrigens haben die Fische auf dem Cover tatsächlich eine Bedeutung; wie metaphorisch diese ist, muss man selbst nachlesen. Es ist ein Jugendbuch dieser Zeit und wird ein hoffentlich ein Publikum erreichen, dass es zu schätzen weiß.

Titel: Our Chemical Hearts

Autor: Krystal Sutherland

Verlag: Hot Key Books (Okt. 2016)

Lesealter (vom Verlag empfohlen): 12-16 (älter ist fast besser)

Genre: fiktionales Jugendbuch

Seitenzahl: 313

Preis: 8,99‚ā¨ (Taschenbuch)

ISBN-10: 1471405834

ISBN-13: 978-1471405839


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